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Graf Johann von Werth

Graf Johann von Werth, genannt Jan von Werth, (* 1591 in Büttgen bei Neuss; † 16. September 1652 auf Schloss Benatek bei Königgrätz) war ein deutscher Reitergeneral im Dreißigjährigen Krieg.

Kaum jemand weiß, daß im niederrheinische Dorf Büttgen bei Neuss, das seit 1975 zur Stadt Kaarst gehört, vor gut 400 Jahren ein seinerzeit prominenter Mann zur Welt gekommen ist.
Johann von Werth - neben Pappenheim einer der bekanntesten deutschen Reitergenerale aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, er gilt zudem als einer der "meistporträtierten Heerführer seiner Zeit".

Briefmarke von 1991 Ein Porträt im Kleinformat wurde noch 1991 in Deutschland millionenfach in Form einer 60-Pfennig-Sondermarke der Deutschen Bundespost verbreitet. Darauf ist der mittlerweile geradezu legendäre Reiterführer an der Schwelle des ausgehenden Mittelalters zur beginnenden Neuzeit in voller Montur mit Feldharnisch und wehender Schärpe auf einem galoppierenden Schlachtross zu sehen. An ihn erinnert aber auch eine Reiterdarstellung im Wappen der früher selbständigen Gemeinde Büttgen, worauf wiederum das Wappen der neuen Stadt Kaarst Bezug nimmt.
Schließlich lebt der Name des Büttgener Bauernsohnes ebenfalls fort im "Reitercorps Jan von Werth e.V.", einem aktiven Kölner Karnevalsverein.

Auch in Festzügen anlässlich von rheinischen Schützenfesten trifft man gelegentlich einen als Jan von Werth kostümierten Reiter. Das man es früher mit der Schreibweise von Personennamen nicht allzu genau genommen hat, zeigt ein Hinweis in "Meyers Lexikon" von 1930, wonach der berühmte Reiterführer des 30jährigen Krieges in irgendwelchen zeitgenössischen Dokumenten auch Jan de Werth, Wörth, Werd und Weert genannt wird. Er selbst hat sein Testament aus dem Jahre 1652 mit der Formulierung "Finis testamenti: D. Baronis Jois de Weerth" unterschrieben.

Porträt Johann von Werth

Geboren wurde dieser, in vielen Feldzügen und Schlachten bewährte Soldat, irgendwann im Jahre 1591 in dem damals zum geistlichen Kurfürstentum Köln gehörenden Dorf Büttgen, als eines von neun Kindern eines nicht gerade in üppigen Verhältnissen lebenden Bauern.
Allerdings gab es in der ursprünglich in Friesland beheimateten Familie die Überlieferung, daß sie dort ein altes, rittermäßiges Geschlecht war und nach der Reformation wegen ihres unbeirrbar katholischen Glaubens aus der alten Heimat vertrieben wurde. Auf alle Fälle führte die verarmte Adelsfamilie in Büttgen ein recht bescheidenes Leben, so daß auch die Kinder von klein auf in der Landwirtschaft mitarbeiten mussten.
So wird von dem nachmaligen General und Grafen Johann von Werth berichtet, daß er als Junge zu Hause auf dem "Weilerhof" die Schweine gehütet und im Sommer mit der Sense die Distelköpfe abgehauen habe.

Nach dem Tode des Vaters im Jahre 1606 wurden die Lebensverhältnisse der Familie noch kärglicher, denn die Mutter musste mit den Kindern in ein kleineres, älteres Haus umziehen und der halbwüchsige Jan sein Brot auf fremden Höfen verdienen. Da nimmt es nicht wunder, daß der junge Werth anderswo sein Glück suchte, indem er 1610 mit 19 Jahren in das Heer des aus Genua stammenden spanischen Generals Ambrosio Spinola, Marques de los Balbazes (1569-1630), eintrat. Er nahm Dienste bei den wallonischen Reitern, wo er sich im Laufe der nächsten Jahre zum Offizier hochdiente.

1621 wechselte er als Rittmeister (Hauptmann) zunächst in kurkölnische und dann in bayerische Dienste. Im 30jährigen Krieg kämpfte er u. a. im Heer Tillys und nahm an den Feldzügen in den Niederlanden, im Elsaß und im fränkischen Raum teil. 1631 war er bereits bis zum Obristwachtmeister (Major) im bayerischen Regiment Eynatten aufgestiegen.
In der Schlacht bei Nördlingen (5./6. 9.1634) kämpfte ein spanisch-kaiserlichbayerisches Heer unter dem Kardinalinfanten Ferdinand (1609-1641), einem Sohn König Philipps III. von Spanien, und General Matthias Graf Gallas (1584 bis 1647), es hatte damals dem protestantisch-schwedischen Heer unter Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar (1604-1639) und General Gustav Horn (1592-1657), einem Jugendfreund und Mitstreiter des 1632 bei Lützen gefallenen Schwedenkönigs Gustav-Adolf, eine vernichtende Niederlage bereitet.
Wappen der ehem. Gemeinde Büttgen

Hierbei war es der Obristwachtmeister Johann von Werth, der mit seinen Reitern die Entscheidung herbeigeführt hatte. In dieser Schlacht, an der insgesamt rd. 60.000 Mann teilnahmen, geriet General Horn mit 6000 seiner Soldaten in Gefangenschaft, und weitere 12000 blieben verwundet oder tot auf dem Schlachtfeld. Auch Bernhard von Weimar gehörte zu den Verwundeten, außerdem fielen den Siegern 80 Geschütze und 300 Fahnen in die Hände.

Alles von den Schweden seit 1631 in Süd- und Südwestdeutschland eroberte Gebiet ging durch diesen Sieg der katholischen Verbündeten wieder verloren. Johann von Werth wurde für seinen maßgeblichen Anteil daran vom Kaiser Ferdinand II. (1578-1637) mit der Erhebung in den Freiherrnstand belohnt. Der bayerische Kurfürst Maximilian I. (1573-1651), der seit 1609 an der Spitze der Katholischen Liga stand, beförderte ihn zum Feldmarschalleutnant und Generalwachtmeister.

Nachdem am 27. Oktober 1635 zwischen Bernhard von Weimar und den Franzosen in St. Germain-en-Laye ein Bündnisvertrag abgeschlossen worden war, worin der Weimarer sich verpflichtete, gegen eine Zahlung von 4 Mill. Livres ein 18.000 Mann starkes Heer im Sold Frankreichs aufzustellen und ihm darüber hinaus die Anwartschaft auf die damals österreichische Landgrafschaft Elsaß in Aussicht gestellt wurde, erschienen auch Franzosen auf dem Kriegsschauplatz in Deutschland. Sie bemächtigten sich u. a. im Jahre 1637 der kurtrierischen Festung Hermannstein - später in Ehrenbreitstein umbenannt - bei Koblenz. Nun rückte Johann von Werth von Köln aus mit Hilfstruppen heran und brachte nach kurzer Belagerung die Festung durch einen Handstreich wieder in deutschen Besitz.

Porträt Johann von Werth

Von Werth stammte auch die Idee, den Krieg bis nach Frankreich hineinzutragen, was vom Oberkommando gebilligt wurde, daraufhin gelangte er an der Spitze der Vorhut des kaiserlichen Heeres mit seinen Dragonern - das waren mit Musketen bewaffnete Reiter, als eine Art berittene Infanterie - bis vor die Tore von Paris. Im weiteren Verlauf der Kämpfe wurde Generalwachtmeister von Werth am 3. März 1638 bei Rheinhausen von gegnerischen Truppen unter Bernhard von Weimar gefangengenommen und an die Franzosen ausgeliefert, die ihn nach Paris brachten. Welch hohes Ansehen der bayerische Reitergeneral auch beim Gegner genoss, belegt die Tatsache, daß er sich in der französischen Hauptstadt gegen Ehrenwort frei bewegen durfte, bis er nach vier Jahren - am 24. März 1642 - mit einem hohen Lösegeld freigekauft und gegen den schwedischen General Horn ausgetauscht wurde.

Bald nach seiner Rückkehr engagierte ihn der Kölner Erzbischof und Kurfürst Ferdinand von Bayern, auch ein Wittelsbacher wie der bayerische Kurfürst Maximilian I., als Heerführer, um seine inzwischen feindbesetzte niederrheinische Heimat zu befreien. In Begleitung des Kölner Kurfürsten traf er in den ersten Augusttagen des Jahres 1642 im Lager bei Zons ein, wo er dem Heer als kaiserlicher und kurbayerischer Generalleutnant der Kavallerie vorgestellt wurde. Er kümmerte sich zunächst mit gewohnter Tatkraft um die Reorganisation seiner Truppen, sorgte für neue Bewaffnung, Bekleidung und Verpflegung und stellte die arg gelockerte Disziplin wieder her.

Danach eroberte er in schnellem Siegeslauf Grevenbroich, Mönchengladbach, Hülchrath, Liedberg, Neersen, Bedburg und schließlich Düren. Nach der Einnahme von Düren am 24.10.1642 zog sich der Rest des gegnerischen Heeres bei Wesel über den Rhein zurück, damit war die Johann von Werth gestellte Aufgabe erfüllt, und Kurfürst Ferdinand belohnte ihn am 18. 4. 1643 mit der "Burggrafschaft, Freiheit und Herrlichkeit' Odenkirchen.

Als im Mai 1647 in Ulm ein Waffenstillstand zwischen Bayern, Schweden und Frankreich geschlossen wurde, geriet der sowohl bayerische als auch kaiserliche General von Werth in einen schweren Gewissenskonflikt, er fühlte sich letztlich dem Kaiser mehr verpflichtet als dem abtrünnigen bayerischen Kurfürsten und versuchte deshalb, seine Truppen dem Kaiser zuzuführen, daraufhin erklärte ihn Kurfürst Maximilian für vogelfrei und setzte auf seinen Kopf einen Preis von 10.000 Talern aus, er wurde zudem als Feldherr abgesetzt, seine Schlösser wurden geplündert und verbrannt, er selbst begab sich nach Wien und wurde dort vom Kaiser, der die bayerische Acht für nichtig erklärte und Werth in den Grafenstand erhob. Für seine im Westen Deutschlands verlorenen Güter wurde er mit der Herrschaft Benatek in Böhmen entschädigt. Von dort aus zog er noch einmal gegen die Schweden zu Felde und besiegte den schwedischen General Karl Gustav Graf von Wrangel (1613-1676) im Gefecht bei Dachau.

Jan von Werth-Denkmal in Köln

Danach zog sich der durch die Strapazen der Feldzüge und zahlreiche Verwundungen gesundheitlich ziemlich angegriffene und dauernd kränkelnde Reitergeneral für die wenigen ihm noch beschiedenen Lebensjahre auf sein Schloss Benatek zurück. Hier verfasste "Johann von Werth der Römischen Kaiserl. Majestät Kriegsrath, General über dero Kavallerie und bestellter Obrister zu Ross" kurz vor seinem Tode ein Testament in dem er seinem Geburtsort Büttgen einige bemerkenswerte Vermächtnisse zusprach, so hinterließ er nicht nur Geld für Seelenmessen für sich und seine Familie, für die Armen des Ortes und die Unterstützung zweier aus Büttgen stammender Studenten, sondern stellte auch Mittel für eine damals zeitgemäße Stiftung zur Verfügung, um daraus "eine Malter Weizen zu backen und nach dem Jahrgedächtnis an die Kinder und Gottesdienstbesucher, die solches begehren, zu verteilen".

Denkmal für Jan von Werth an der Aldegundiskirche in Büttgen

Solche "Werth-Wecken" werden auch heute noch am Tag seines Jahresgedächtnisses in der Büttgener Kirche nach der Messe ausgeteilt. Der langgediente, kriegsbewährte General, dem auch die Fürsorge für seine Soldaten und eine möglichst schonende Behandlung der von Kriegswirren heimgesuchten Landbevölkerung stets am Herzen lagen, starb am 12. September 1652, er wurde nur 61 Jahre alt. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Gruft der Kirche "Maria Geburt" in Neu-Benatek, wo auf einer schlichten Grabtafel aus Zinn vermerkt ist: Johannes Liber baro de Werth, Dominus in Benatek, Odenkirchen, Grumbach, Kellenberg, Erbach etc., "Bodenstein", in seiner Büttgener Heimatkirche erinnert an diesen großen Soldaten ein Denkmal, das Johann von Werth betend darstellt, wesentlich repräsentativer ist das prächtige Standbild, das ihm die dankbare Stadt Köln errichtet hat, dort wird auch seine Rüstung aufbewahrt.

Der Büttgener Bauernsohn Johann von Werth ist nach Herkunft, Werdegang und Leistung eine auch heute noch bemerkenswerte Persönlichkeit, obwohl er inzwischen schon 355 Jahre tot ist.

Nicht verschwiegen werden sollte aber auch, daß Johann von Werths kriegerische Leistungen heftig umstritten sind. Es spricht viel dafür, dass er eine brutale Soldateska befehligte, die im dreißigjährigen Krieg von Plünderungen lebte, grausam folterte, mordete und brandschatzte, ganz in der für damalige Söldnerheere üblichen Weise.

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