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Jan-van-Werth ein Held?

Jan van Werth, Büttgens berühmtester Sohn, ein Militärunternehmer, der damit gut verdiente? Ein Kölner Historiker bewertet die Rolle des auch in Köln verehrten van Werths im 30-jährigen Krieg neu.

"Am folgenden Tag, dem 22. September", so berichtet ein Augenzeuge, "lagen die kölnischen Wachschützen auf dem Kirchhof und warfen, ich weiß nicht aus welchem Grund, Feuer in die Pfarrkirche. Dieses fiel in das Pulver, das die Schweden dort zurückgelassen hatten, und sprengte die Kirche in die Luft." 300 Menschen kamen bei der Explosion der Deutzer St. Urban-Kirche ums Leben. Der Kupferstecher Merian hat das spektakuläre Unglück im Bild festgehalten, sozusagen als ersten "Köln-Comic". 

Nur in diesen Dezembertagen des Jahres 1632 war die freie Reichsstadt ernsthaft in Gefahr, in den Dreißigjährigen Krieg verwickelt zu werden, ansonsten profitierte die Kölner Wirtschaft eher vom Krieg - so das weit verbreitete Bild. Unter den Heerführern, die im Krieg Karriere machten, wird einer auch in Köln hoch verehrt: Jan van Werth, der aus einfachen Verhältnissen stammende Mann, der es bis zum General der Kavallerie brachte und sogar zum Reichsfreiherrn erhoben wurde.

Der Historiker Michael Kaiser kratzt nun am Denkmal des alten Haudegens: Jan van Werth sei bei seiner soldatischen Tüchtigkeit eher ein "Kriegsunternehmer" gewesen, der vom Krieg lebte. "Der Krieg ernährt den Krieg", soll Wallenstein einmal gesagt haben. Von Werth, der weder lesen noch schreiben konnte, charakterisierte sich selbst als "armen Soldaten, der sein Brot durch den Degen gewinnen muss", eine Selbststilisierung, die Kaiser als "holzschnittartig" bezeichnet.

Ein derartiges Bild pflegt man in Büttgen wie auch in Köln - da wird alljährlich ein Kavallerist gefeiert, der selbst von seinem eigenen Kriegsherrn, dem bayerischen Kurfürsten, wegen "rücksichtslosen Fouragierens" gerügt wurde, was wiederum impliziert, dass auch seine Truppe die Bevölkerung malträtierte, dass auch seine Reiter mordeten und plünderten, was das Zeug hielt - wie kein anderer ist der 30-jährige Krieg von unvorstellbaren Gräueltaten der Soldateska bestimmt. 
Die letzte große Tat van Werths scheint man ganz vergessen zu haben - da wechselte der Held unter dramatischen Umständen aus bayerischen in kaiserliche Dienste. Durch die bayerische Brille gesehen, war sein Bild fortan "mit dem Makel des Meuterers" befleckt - nur Wallensteins Schicksal, so Autor Kaiser, ragt noch düsterer aus der Geschichte des 30-jährigen Krieges heraus. 

Der Beitrag von Michael Kaiser ist in "Geschichte in Köln", Band 49, SH-Verlag Köln erschienen.

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